Susannes kleiner 

Erfahrungsbericht

Susannes kleiner 

Erfahrungsbericht

Tausche Süden und Sonne gegen Norden und Nebel

Meinen Jahreswechsel verbrachte ich dieses Jahr auf den ersten Blick sehr widersprüchlich. Ich sonnenhungriges Südkind hatte nämlich beschlossen, den Jahreswechsel hoch im Norden zu verbringen.

Auf was habe ich mich da nur eingelassen? Das frage ich mich, als ich auf der Zugfahrt immer mehr die Sonne und Plusgrade gegen Wolken und Schneedecke eintauschen musste. Nun gut, jetzt war es schon entschieden. Der Retreat im Norden, genauer gesagt in Lägerdorf, war nun mal gebucht.  

Auf den Alsenhof war ich schon vor einer Weile aufmerksam geworden, als ich mir das Programm zur Utopie-Konferenz 2021 der Leuphana Universität Lüneburg angeschaut hatte. Ich hatte das Konzept so verstanden, dass die dortigen Bewohner nicht nur zusammenleben, sondern auch zusammen arbeiten, also Co-Working, ein Thema ist. Da dachte ich, das ist ja eine gelebte Form von „New Work“, oder?

Ein anderes Schlagwort, das mir in dem Zusammenhang in den Kopf kam, war der Nachfolger von „Work-Life-Balance“, also das „Work-Life-Blending“. Demnach verschmelzen Lebens- und Arbeitswelten miteinander. Einer meiner Kollegen hatte das bei einem Workshop zum ersten Mal in den Raum gestellt. Damals, so vor ca. 1,5 Jahren, sprachen wir noch über „New Normal“, also die Zeit nach der Pandemie.

 

Machen ist wie wollen, nur krasser.

Also, ganz die neugierige „Agilistin“ dachte ich dann ich wende den Grundsatzes des  „inspect & adapt“ an. Am Beispiel des Alsenhofes bedeutete es also hinfahren und dort auf Zeit leben und arbeiten.

Beim zweiwöchentlich, virtuell stattfindenden Netzwerktreffen konnte ich zwei der Bewohner*innen schon einmal kennen lernen und mehr über den Alsenhof erfahren. Das hatte mich bestärkt, es tatsächlich ausprobieren zu wollen. Spätestens als dann noch bei Facebook Sabrinas Retreat zum Jahreswechsel angekündigt wurde, dachte ich: „go for it“. Der Plan: eine Rückschau ins alte Jahr halten und Intentionen für das neue Jahr setzen und manifestieren.

In einer kleinen Gruppe von fünf Personen hatte ich eine wunderbare Zeit. Wir haben gemeinsam gelacht, geschrieben, meditiert, Emotionen geteilt und uns kreativ betätigt. Das Event war mit Highlights, wie dem Lagerfeuer am Silvesterabend oder einer Kakaozeremonie gespickt, um hier nur zwei zu nennen. Obendrauf gab es die Erfahrung, zu erleben, wie zukünftige Wohn- und Arbeitsgemeinschaften aussehen können. Das habe ich dann durch eine Verlängerung meines Aufenthaltes direkt nochmal ausgekostet und war dankbar, dass ich vorausschauend meinen Laptop zum Arbeiten schon dabei hatte, und nach meinem Urlaub wieder remote in die Erwerbsarbeit einsteigen konnte.

 

Mein (erstes) 😉 Fazit:

Wer sich auf das Erlebnis oder Experiment einlässt, wird ein volles Mitglied des Hausstands. In meinem Fall bot sich dort direkt die Gelegenheit, mich aktiv mit meinen Fähigkeiten rund um (agile) Moderationsmethoden einzubringen. Hinzu kam noch die ein oder andere Gelegenheit, Menschen mit kurzem Coaching zu unterstützen und selbst auch in diesen Genuss zu kommen. Ein Geben und Nehmen. Jeder bringt ein, was er oder sie am besten kann, und so ergibt sich wieder ein Ganzes. Ich habe durch das Experiment gemerkt, dass wir Menschen zwar Individuen sind, aber Gemeinschaft brauchen, und gerade über unsere Diversität miteinander verbunden sind.

Das voneinander und miteinander lernen bezieht sich dabei auf alle Bewohner*innen des Hauses, also auch Gäste, die nur für einen begrenzten Zeitraum dort sind. Ergo noch mehr Austausch und noch mehr Inspiration. Da kann man wirklich den so genannten „Me-Sunday“ auf dem Alsenhof gebrauchen. Der Sonntag ist hier ein Tag  ohne Programm für alle Hofbewohner*innen. Am Ende will ja das Erlebte verarbeitet werden, um wieder vermehrt mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Aber auch dafür hat es Platz, weil eben die Bewohner*innen ganz dem agilen Ansatz folgen, und selbst immer wieder mit Neuem experimentieren.  

Zusammengefasst hatte ich während meinem Alsenhoferlebnis damit zwar aus Wettersicht ein paar trübere Tage, wohingegen die Erlebnisse und die Gemeinschaft die Zeit für mich zum Scheinen brachte.

 

Dankbar, Eure Susanne

PS: Ein Dankeschön an der Stelle noch an Vivien für die Anmerkungen und Korrekturen 🙂

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